Dr. Wolfgang Poltz:       Natur, Garten und Haus - ein Soforthelfer (Frequently Asked Questions)


Diese Zusammenstellung beruht auf bisherigen Erfahrungen bei Beratungen. Sie es ermöglichen, in manchen Fällen schon selbst eine Diagnose sowie Ratschläge zu erhalten, ohne weiter telefonieren zu müssen. Es handelt sich hier nur um Arten, die schon ohne Hilfsmittel, allenfalls mit einer Lupe, bestimmt werden können. Bei kleineren Insekten sollte der Fachmann zu Rate gezogen werden.
Hier soll auch auf den Naturschutzbund Deutschland, Kreisverband Siegen-Wittgenstein (NABU) und die Biologische Station Rothaargebirge (http://www1.siegen-wittgenstein.de/biostation/index.htm) hingewiesen werden, in dem Fachleute mit den verschiedensten Qualifikationen Rede und Antwort stehen können. Hinweisen möchte ich auch auf ein Blätterherbar heimischer Gehölze, welches als Bestimmungshilfe einsetzbar ist.
Meine Auskünfte sollen Ihnen eine Hilfe sein. Es sind keine offiziellen Gutachten, solche sind nicht kostenlos und auch nicht bei mir zu haben.
Wolfgang Poltz


Aus urheberrechtlichen Gründen können die Bilder nicht mitgeliefert werden. Wenn Sie Bilder zu den Texten haben möchten oder weitere Fragen haben, schreiben Sie mir: poltz@biologie.uni-siegen.de

             Inhalt

             1. Natur und Garten
         Einen Bestimmungsschlüssel für heimische Gehölze finden Sie in einer gesonderten Datei
         Mittlerer Weinschwärmer
           Wespen
           Zecken
           Weiße Teile an Pflanzen: Panaschierung
           Taubenschwänzchen

             2. Haus
         Stechmücken
           Motten
           Speckkäfer
           Mehlkäfer
           Messingkäfer
           Bockkäfer Phymatodes testaceus
           Hausbock
           Kopfläuse
           Flöhe
           Tierhaltung
           Mausartige Säugetiere
           Wanderratten

            3. Literatur



1. Natur und Garten

Im Sommer fällt manchmal am Schmalblättrigen Weidenröschen oder am Bergweidenröschen eine Raupe auf, die extrem große Augen zu haben scheint (Scheinaugen, die echten Augen sind ganz klein). Dies ist die Raupe des Mittleren Weinschwärmers, eines Nachtschmetterlings, der (wie auch andere Schwärmer) an milden Abenden wie ein Kolibri vor den gelben Blüten des Waldgeißblatts oder an Taglilien in der Luft steht und seinen langen Rüssel in die Blütenkelche steckt.
Die richtigen Augen der Raupe, ganz vorn am Kopf, sind  kaum zu sehen. Die Scheinaugen dienen dazu, Feinde abzuschrecken.

Der Raupe schmeckt auch das Laub der Nachtkerze, welches für den Menschen giftig ist.


Bild aus Lit. 1.
Es handelt sich hier um ein Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), das ist ein Schmetterling, der, wie der vorstehende Mittlere Weinschwärmer, zu den Schwärmern gehört. Schwärmer sind eigentlich Nachtschmetterlinge, aber das Taubenschwänzchen und der Hummelschwärmer machen da eine Ausnahme und fliegen tagsüber. Sie verhalten sich in der Tat wie Kolibris: Sie stehen vor einer Blüte mit einem tiefen Blütenkelch (das Blaukissen ist eigentlich eine Ausnahme), z. B. Taglilien und Waldgeißblatt, und rollen ihren langen Rüssel (Macroglossum = große Zunge) aus, um Nektar aus dem Kelch zu holen. Dabei bestäuben sie die Blüten. Einige Pflanzenarten sind auf Schwärmer zum Bestäuben angewiesen.
Die Raupe des Taubenschwänzchens frisst an Labkraut.

Photo (Ausschnitt): 
Heinz Schulte, Alsdorf
 

Stechmücken: siehe unter Haus
Im Sommer wird immer wieder über Wespen geklagt, die sich oft an störenden Stellen in Haus und Garten ihre Nester bauen. 
Unterscheiden muss man dabei drei Arten: 
Die seltenste ist die geschützte Hornisse, die durch ihre Größe, das bedrohliche Brummen und die rötliche Farbe auffällt. Sollte man Hornissen im Garten, z. B. in einem Vogel-Brutkasten haben, sollte man sie auf jeden Fall dort in Ruhe lassen. Hornissen sind bei weitem nicht so gefährlich, wie sie oft dargestellt werden. Sie sind reine Fleischfresser, fangen sich also meist andere Insekten als Futter. Sie sind auch in keiner Weise angriffslustig, und sollte eine mal in einer Notlage stechen, ist dieser Stich nicht gefährlicher als der einer anderen Wespe.
Naturschützer interessieren sich für die seltenen Hornissenbruten, deshalb ist es wünschenswert, sie beim NABU (Siegen, Hüttenwiese 30) zu melden.
Nicht sehr viel häufiger ist die Feldwespe (Gattung Polystes). Sie ist relativ schlank und oft an den Blüten des kletternden Knöterichs zu finden. Sie baut im Freien ein kleines Nest und kümmert sich nicht um menschliche Aktivitäten.
Unangenehm werden kann die eigentlich bekannte Wespe (mehrere Arten der Gattungen Paravespula oder Dolichovespula), die gern in Erdlöchern oder Dachböden große Nester baut. Die Königin dieser Art überwintert in Kellerräumen oder Dachböden und fängt im Frühjahr allein an, ein Papiernest zu bauen. Dabei wird Holz verwendet, welches z. B. von Flechtzäunen u. a. abgenagt wird. Die ersten Larven werden von der Königin, die etwas größer ist, großgezogen. Wenn einige Arbeiterinnen aufgewachsen sind, bleibt die Königin im Nest Oft wird das Nest von Kuckuckswespen (Gattung Vespula) übernommen, die die Königin abtöten und von den Arbeiterinnen der anderen Wespenart ihre Brut großziehen lassen. Die Arbeiterinnen übernehmen den Ausbau des Nests und die Aufzucht des Nachwuchses. Dabei leben die Wespen carnivor, also von fleischlicher Nahrung, meist Insekten. Erst im August ändern die Wespen ihre Nahrungspräferenz, sie stellen sich auf Früchte um. Gleichzeitig werden sie auch agressiver und es kommt viel häufiger zu Wespenstichen. Deshalb sind Wespennester in der Nähe von Haus und Terrasse nicht so gern gesehen.
Maßnahmen: Wespennester entfernt man am besten noch, solange die Königin allein ist. Später wird es schwieriger, da man bei allen Maßnahmen sofort von einem großen Schwarm von Wespen umflogen wird, die ihr Nest verteidigen wollen und keine Hemmungen haben zu stechen. Manchmal wird in diesen Fällen die Feuerwehr alarmiert, die schon Erfahrungen hat. Da man in Haus und Garten nicht so gern Gift einsetzt, sollte man auf Hausmittel zurückgreifen: Ich hatte Erfolg mit Backpulver, welches ich in ein Stück (trockenen) Gartenschlauch gefüllt und in das Flugloch zum Nest geblasen habe. Nach 3-maliger Anwendung und ein paar Tagen waren die Wespen verschwunden. Bitte teilen Sie mir Ihre Erfahrungen mit dieser Methode mit!
Bild Hornisse (Lit. 8)

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Feldwespe am Nest (Lit. 8)

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Wespe (Paravespula) (Lit. 2)

Im späten Frühjahr machen sich vermehrt Zecken bemerkbar. Aufmerksame Hundebesitzer finden die Plagegeister allerdings schon ab Februar an ihren Tieren. Im Siegerland ist diese Tiergruppe unter dem Namen "Gensterbock" bekannt, allerdings sollte man sich nicht auf den Ginster verlassen: Hunde sammeln sich die Zecken meist beim Schnuppern im Gras an Waldwegen auf, so dass man sie auch zuerst am Kopf des Tieres findet. Manchmal gibt es auch im Garten Zecken.
Zecken machen einen Generationswechsel durch: Die Larve saugt meist an Eidechsen und Vögeln (bei diesen sitzen sie oft an den Augen). Nachdem die Larve abgefallen ist, wandelt sie sich in das Geschlechtstier um, welches Säugetiere befällt. Dabei saugt sich bei der häufigsten Zeckenart bei uns nur das Weibchen an, das kleine Männchen sitzt am Weibchen. Das Zeckenweibchen schwillt durch das Saugen zu einer bläulich glänzenden Kugel an und lässt das Wirtstier los, um seine tausend Eier zu legen, aus denen wieder die Larven schlüpfen.
Durch Zecken können Krankheiten übertragen werden. Am besten bekannt ist einmal eine von Viren hervorgerufene Hirnhautentzündung, zum anderen die Borelliose. Die Hirnhautentzündung (Meningitis) hat sich erst in den letzten Jahrzehnten über Deutschland ausgebreitet, wahrscheinlich durch die vom Menschen verursachten Klimaveränderungen. Gegen sie hilft nur vorbeugendes Impfen. Borelliose (Lyme-disease) wird von bestimmten Bakterien hervorgerufen, Spirochäten, die den Erregern der Siphilis sehr ähnlich sind. Entsprechend hartnäckig sind diese Bakterien. Bei länger anhaltenden Entzündungen  (14 Tage) von Zeckenstichen sollte auf jeden Fall der Arzt aufgesucht werden, denn dann kann man die Borellien noch mit Antibiotika bekämpfen.
Zecken lassen sich am besten mit der in jeder Apotheke und Tierhandlung käuflichen Zeckenzange entfernen. Bei anderen Methoden bleibt der Kopf oft in der Haut zurück und verursacht Entzündungen.
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Zecke oder Holzbock (Lit. 4)
Selten findet man Pflanzen, deren Blätter ganz oder teilweise weiß sind, wie nebenstehende Himbeerpflanze. Diese "Panaschierung" hat folgende Ursache: Die Chloroplasten in der Zelle, die grün sind und Photosynthese betreiben, vermehren sich eigenständig und werden bei der Zellteilung zufällig auf die Tochterzellen verteilt. Selten kommt es vor, dass bei einer Zellteilung alle Chloroplasten in einer der beiden Tochterzellen landen. Bei nachfolgenden Teilungen können dann aus der weißen Zelle nur weitere weiße Zellen entstehen. Was im Bild noch auffällt, ist, dass die weißen Hälften eines Blattes oder die weißen Blätter kleiner sind als ihr grünes Gegenüber. Die weißen Teile können keine Photosynthese betreiben und sind daher auf eine Nährstoffzufuhr aus den grünen Teilen angewiesen.

2. Haus
Im Sommer ärgert man sich immer wieder über Stechmücken, die sich im Garten und Haus über das Blut der Bewohner hermachen. Dabei ist auch eine Kleidungsschicht kein Hindernis. Glücklicherweise werden in Deutschland im Normalfall keine gefährlichen Krankheiten, wie Malaria, übertragen, aber unangenehm sind die Stiche trotzdem. 
Will man etwas gegen Mücken unternehmen, sollte man sich zuerst über Wasserstellen in der Nähe des Hauses kundig machen: Die Larven und Puppen der Stechmücken leben nämlich im Wasser. Gartenteiche sind das kleinere Übel, da hier räuberische Insekten und Insektenlarven (Libellen, Wasserkäfer, Wasserwanzen) die Mückenlarvenpopulation auf einem erträglichen Niveau halten. Anders ist es mit Regenwasserbehältern und Vogeltränken. Regenwasserbehälter sollten so dicht verschlossen werden, dass Mücken nicht an das Wasser herankommen. Vogeltränken müssen alle zwei bis drei Tage ausgespült werden. Das ist außerdem eine Maßnahme, um die Vögel vor Infektionen zu schützen.
Im Handel werden verschiedene Mittel und Geräte gegen Mücken angeboten. Insektengiftkissen (Lindan) nützen draußen nichts, und drinnen will man das Gift nicht haben, weil es auch auf den Menschen negative Wirkungen hat. Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden, halten die Mücken oft nicht ab, außerdem kann man sich selbst nicht mehr riechen. Vollkommener Nepp sind Geräte, die Mücken mit UV-haltigem Licht anlocken und töten sollen: Mücken gehen nicht ins Helle, sie meiden das Licht. Bei Anwendung der Lampe auf der Terrasse wird man dann überwiegend in die Beine gestochen. Wenn man sich die Insekten, die an die Lampe gehen, näher ansieht, sind es Schlupfwespen, Schmetterlinge und andere, zum Teil gefährdete Arten, aber nie Stechmücken. Auch die Ansicht, dass man bei beleuchtetem Schlafzimmer das Fenster nicht öffnen soll, ist falsch. Mücken kommen herein, wenn man das Licht ausschaltet. Man kann das leicht überprüfen indem man das Licht einschaltet, wenn man nachts eine Mücke hört: Die Mücke fliegt nicht zur Lampe, sondern setzt sich sofort an Wand oder Decke.
Bild aus Lit.5.
In Textilien, die längere Zeit nicht gebraucht wurden, findet man gelegentlich die Raupen oder Puppen von Motten. Es handelt sich dabei um einen bestimmten Nachtschmetterling.
Kleider werden eigentlich nur befallen, wenn sie nicht luftig genug aufbewahrt werden. Maßnahmen sind Mottenkugeln (Naphtalin) oder Lindanstreifen, beides auch für den Menschen ungesund. Empfohlen kann luftige Aufbewahrung und der Gebrauch von Lavendelöl oder Lavendelsäckchen in Kleiderschränken.
Bild

    Pelzmotte         Kleidermotte

aus Lit. 2.

Im Haus findet man gelegentlich den nebenstehenden Speckkäfer. Er ist etwa 8mm lang. Er ernährt sich von Teilen tierischer Herkunft, also z. B. Tierpräparaten mit Fell oder Federn, Speck, oder getrockneten Fleischresten. In dieser Richtung sollten auch die Nachforschungen gehen, da die stark behaarten Larven des Käfers sonst Schaden anrichten können. 

Naphtalin (Mottenkugeln) und Lindanstreifen, mit denen man gegen die Insekten vorgehen kann, sind auch für den Menschen nicht besonders gesund. Kleinere Teile kann man in einem geschlossenen Gefäß oder in einer Plastiktüte einige Tage mit einem Wattebausch mit Essigsäure-Diethylester aufbewahren, so dass die Insekten abgetötet werden.

Bild aus Lit. 2.
In der Küche oder im Speicher findet man manchmal einen schwarzen Käfer von etwa 1 cm Länge. Es ist der Mehlkäfer. Seine Larve, der Mehlwurm, ernährt sich von altem Brot, Paniermehl, Mehl, Haferflocken und Ähnlichem, nimmt als Zukost aber auch Wolle (alte Socken o. ä.). 

Man sollte die Vorräte an Getreideprodukten auf Befallenheit überprüfen. 
 

Bild aus Lit. 2.
Auf Dachböden und Speichern kommt es zeitweise zu massenartigem Auftreten des etwa 3 - 5 mm langen Messingkäfers, dessen Name von seiner metallisch-messingartigen Farbe herrührt.
Seine Nahrung sind Pflanzenteile, z. B. Stroh, aber auch Textilien. Wichtig für die Entwicklung ist eine ausreichende Feuchtigkeit. Ein Massenauftreten weist auf zu hohe Feuchtigkeit in dem Raum hin, welches auch die Maßnahmen bedingt (Lüften, Überprüfen auf Feuchtigkeitsquellen, Dachundichtigkeiten, Kältebrücken, Schwitzwasser).
Bild aus Lit. 3.
Kamin- oder Kaminofenbesitzer finden gelegentlich nebenstehenden Käfer in ihrem Zimmer, oft in mehreren Exemplaren. Es handelt sich um den BockkäferPhymatodes testaceus, der keinen deutschen Namen hat. Die Larve entwickelt sich in Eichen- oder anderem Laubholz. Sie hat sich im Kaminholz verpuppt. Im späten Frühjahr erscheinen dann die fertigen Käfer, durch die Raumwärme kann es auch früher sein.
Der Käfer ist sehr variabel in der Farbe. Beachten könnte man: Mittellange, gegliederte Fühler, schwarzer Kopf, rotbrauner Thorax, dunklere Flügeldecken. Obere Beinglieder keulenförmig verdickt.
Bild aus Lit. 3
Bockkäfer zeichnen sich durch auffällig lange, gebogene Fühler aus. Der Hausbock (7 - 21 mm Körperlänge) hat nicht ganz so lange Fühler wie seine Familiengenossen. Er ist ein gefürchteter Schädling: Die Larven zerfressen altes, verbautes Nadelholz völlig. Deshalb findet man den Käfer von Mai bis September auf Dachböden.

Werden solche Käfer festgestellt, sollte man eine Spezialfirma mit der Behandlung des Dachholzes beauftragen. Neben Giftspritzung werden die Larven auch mit Dampf abgetötet, was für die Hausbewohner gesünder ist. Allerdings ist es ratsam, das Holz anschließend gegen neuen Befall dauerhaft zu behandeln.

Bild aus Lit. 3.
Kopfläuse verbreiten sich immer wieder in Kindergärten und Grundschulen, aber auch über Garderoben kann man sich infizieren. Die Läuse kleben ihre Eier an Haare, von denen sie auch durch Kämmen nicht entfernt werden können. Auffallend sind die weißen Exuvien (Häute) der Läuse auf dunkler Kleidung. 
Maßnahmen: Es gibt heute Haarwaschmittel mit einem pflanzlichen Gift, dem Pyrethrum, welches für Wirbeltiere (auch den Menschen) ungiftig ist und nur einmal angewandt werden muss. Aber auch ein Saunabesuch tötet alle Läuse und Nissen ab. Aufwendig ist allerdings das Reinigen von Kleidung und Schränken.
Bild aus Lit.5.
Der nebenstehende Menschenfloh ist in Deutschland inzwischen eine Rarität. Im Haus kommen allerdings bei Tierhaltung die schlankeren Katzen- und Hundeflöhe vor. 
Maßnahmen: Die Larven der Flöhe entwickeln sich vom Ei in etwa 14 Tagen zum fertigen Floh und ernähren sich dabei von Hautschuppen der Tiere. Die Entwicklung erfolgt fast immer im Lager der Haustiere. Dabei ist für die Flohlarven eine bestimmte Mindest-Feuchtigkeit nötig. Matten sollten also regelmäßig gestaubsaugt, Decken gewaschen werden.
Bild
Menschenfloh, aus Lit.7.
Bild
Flohlarve
aus Lit.7.
Tierhaltung
Auswahl, einzelne Tiergruppen, Wirbellose, Wirbeltiere, Hygiene
Grundsätzliches

Vor Anschaffung eines Tieres muß man sich über die Lebensgewohnheiten, Futter usw. informieren, um ihm von Anfang an geeignete Lebensbedingungen bieten zu können. 
Käfige sind so zu gestalten, daß sie ohne großen Aufwand zu reinigen sind (Verwendung von rostfreiem Metall, Plastik; Schubladenboden). Für Säugetiere sind Hobelspäne, noch besser Zeitungspapier mit Strohauflage zu empfehlen. Die Hobelspäne sollten nicht von Spanplatten stammen. Trinkflaschen verhindern, daß die Tiere ihr Trinkwasser verschmutzen. Vogelkäfige kann man mit mehreren Lagen Zeitungspapier auslegen. Zum Reinigen braucht man dann nur ein oder zwei Lagen zu entfernen. Amphibien und Reptilien können in bepflanzten Terrarien gehalten werden, wobei die Pflanzen auch in Blumentöpfen stehen können. Dabei ist zu beachten, daß sie relativ viel Licht benötigen. Bei Reptilien ist eine Wärmequelle (Glühbirne, Infrarotstrahler, Terrarienheizung) zu empfehlen. Reptilien und Amphibien benötigen, je nach Art, zumindest eine Schale mit Wasser, in die sie ganz hineinpassen. Beachten Sie: Alle einheimischen Amphibien und Reptilien sind geschützt!
Will man in einem Aquarium mehr als 3 - 5 Fische halten, ist eine Lüftungs- und Filteranlage nötig (Vergleichen Sie die Fischdichte mit der in Teichen, Fische pro Liter Wasser!). Auch die Pflanzen im Aquarium müssen ausreichend beleuchtet werden, wobei gleichzeitig Algenwuchs begünstigt wird. Setzt man Schnecken ein, halten sich diese oft lieber an die Aquarienpflanzen als an die Algen.


Auswahl von Tieren

Bei der Wahl der zu haltenden Tiere müssen die Naturschutzgesetze, Roten Listen und die Washingtoner Artenschutzkonvention beachtet werden. Im Zweifelsfall müssen erst Erkundigungen eingeholt werden (bei der Kreisverwaltung, Untere Landschaftsbehörde). Ein Tier darf nie spontan gekauft oder mitgenommen werden. Haltungsmöglichkeiten und Ziel der Haltung sollten erst überlegt werden. Ein Tier eignet sich nur als Geschenk, wenn sich der Schenkende im klaren darüber ist, daß der Beschenkte die Möglichkeiten und den Willen hat, das Tier zu halten. Ein Tier sollte nicht aus Mitleid gekauft werden. Sollten bei Händlern Tiere unter nicht tiergerechten Bedingungen angetroffen werden, sollte vielmehr der Tierschutz (Tierschutzvereine, Kreisveterinäramt) eingeschaltet werden, denn wenn die gequälten Tiere gekauft werden, treten neue an ihre Stelle. 
Großkatzen, Bären, Affen, Greifvögel  bleiben Wildtiere, auch wenn sie von klein auf in Gefangenschaft gehalten werden. Als ausgewachsene Tiere sind sie dann unberechenbarer als freilebende Wildtiere, weil sie ihr ganzes angeborenes Triebrepertoir entwickeln, ohne die den Wildtieren sonst eigene Scheu vor dem Menschen zu haben.


Einzelne Tiergruppen

Wirbellose Tiere
Gelbrandkäfer und ihre Larven, Libellenlarven, Wasserwanzen Bei diesen Arten, die man in bepflanzten Aquarien gut halten kann, muß man daran denken, daß sie räuberisch leben, d. h. 
1. es sollten nur 1 - 3 Exemplare je nach Größe des Beckens zusammen gehalten werden,
2. es sollten keine anderen Tiere mit ihnen zusammengesetzt werden,  die man beobachten will (z. B. Kaulquappen),
3. es muß für Nahrungstiere gesorgt werden.

Schmetterlinge sind als erwachsene Tiere schwer zu halten. Auch die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling ist nicht problemlos, Kinder werden nur in wenigen Fällen Erfolg haben. Mit etwas Fingerspitzengefühl kann der Lehrer jedoch die Schmetterlingsentwicklung (von nicht geschützten Arten, z. B. Kohlweißling!) vorführen, wobei auf ausreichende Luftfeuchtigkeit im Entwicklungskasten gesorgt werden muß. Die Raupe benötigt ständig frisches Nahrungslaub. 
Ameisenlöwen (Larve der Ameisenjungfer) lassen sich gut in einer Schüssel mit Sand halten, in der sie einen Trichter bauen und ihr Ameisenfangverhalten zeigen. Nach einiger Zeit verpuppen sie sich (kugelförmige Puppe), später schlüpft die Ameisenjungfer. Auch hier muß man in der Puppenruhezeit für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgen. Stabheuschrecken und Wanderheuschrecken werden in mit Gaze bespannten Kästen gehalten. Sie benötigen 2 - 3 mal in der Woche frische Nahrungs-pflanzen (Himbeerlaub, Gras, Salat). Am Boden des Kastens stellt man Schalen mit Sand oder lockerer Erde auf, in die die Insekten ihre Eier legen. Auf genügende Feuchtigkeit (keine Nässe) achten! 
Schaben: Hier eignen sich besonders gut große südamerikanische Arten(z. B. Blatta americana, Blaberus fuscus), da diese eine Temperatur von 25 - 30°C benötigen, um sich fortzupflanzen. So können entflohene Tiere sich höchstens in Heizungskellern oder Heizungskanälen halten. Als Nahrung benötigen Schaben neben pflanzlicher Kost auch viel Eiweiß, so dass sich Kückenaufzuchtmehl als Futter anbietet. 


Wirbeltiere

Fische
Kaltwasserfische sind relativ leicht zu halten, da kaltes Wasser mehr Sauerstoff löst als warmes. Eine Belüftungsanlage ist trotzdem zu empfehlen. 
Warmwasserfische benötigen eine Heizungsanlage. Sinnvoll ist ein Thermostat, der die Beckentemperatur konstant hält. Fast immer ist eine Belüftung notwendig. 
Kampffische stammen aus tropischen, sauerstoffarmen Tümpeln. Sie haben sich daher darauf umgestellt, über die durch Falten vergrößerte innere Mauloberfläche Luft zu atmen. Daher hält man diese Tiere in belüftungsfreien Aquarien bei 25 - 30°C. Kampffische verteidigen ihr Revier sehr intensiv, deshalb kann man nur ein Exemplar in einem Becken halten.
Amphibien sollten, je nach Art, mehr oder weniger Wasser zur Verfügung haben. Immer muß eine Möglichkeit vorhanden sein, aufs Land zugehen. Beachten Sie: Alle einheimischen Amphibien und Reptilien sind geschützt!

Vögel sind oft gesellig lebend. Sie müssen dann entweder mit Artgenossen zusammen gehalten werden, oder von klein auf an einen Menschen gewöhnt werden, der sich viel mit ihm beschäftigt (z. B. Wellensittich)

Säugetiere
Hamster sind nachtaktiv und einzelgängerisch. Sie werden die Annäherungsversuche des Menschen also in den meisten Fällen als Audringlichkeit auffassen. Als Schmusetiere für Kinder sind sie nicht so gut geeignet. 
Hausmäuse und Mongolische Rennmäuse sind auch tagaktiv. Sie bauen meist keine Beziehung zum Menschen auf, so dass sie sich hauptsächlich zur Beobachtung eignen. Dabei ist wegen des sozialen Verhaltens und der trockeneren Haltung den Rennmäusen der Vorzug zu geben. 
Ratten sind auch tagsüber aktiv und werden mit dem Menschen vertraut, so daß sie sich gut als Tierpartner für ein Kind eignen. Sie sterben allerdings oft früh an Krebs.
Meerschweinchen sind soziale Tiere mit einem vielfältigen Lautrepertoir. Sie eignen sich sowohl zum Beobachten als auch als "Streicheltiere". Wenn der Mensch nicht die Funktionen des Artgenossen übernimmt, sollte das Tier nicht einzeln gehalten werden, da es sonst zu psychosomatischen Schäden kommt. Zwergkaninchen sind intelligenter als Hauskaninchen, so daß es in Einzelfällen zu sozialen Bindungen zum Menschen kommen kann. Normalerweise sind Kaninchen aber Einzelgänger, die ein ausgesprochen aggressives Verhalten zeigen können. 
Meerschweinchen und Kaninchen können vom Frühjahr bis zum Herbst überwiegend mit Frischfutter versorgt werden. Geeignet sind u. a.: Gras, Löwenzahn, Milchdistel, Wegerich, Melde, Knäuelampfer, Salat, Kohl, Möhre. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass möglichst ein größeres Angebot gegeben wird, so daß die Tiere selbst entscheiden können, was ihnen am besten bekommt. Als Zusatz sollte in jedem Fall Heu gegeben werden. Gekaufter Salat ist meist mit Pflanzenschutzmitteln  behandelt, worauf die Tiere empfindlich reagieren können. 
Nagetiere haben die unangenehme Eigenschaft, die Isolierschichten von Elektrokabeln als Leibspeise zu betrachten. Das ist zu bedenken, wenn man die Tiere im Zimmer laufen läßt. 
Bei der Anschaffung von Nagetieren, insbesondere Hamstern, ist zu beachten, daß diese in ihrer Jugend manchmal Meningitis (Hirnhautentzündung) auf den Menschen übertragen können. Deshalb sollten Nagetiere mindestens 6 Wochen alt sein, bevor sie zu Kindern gelangen. 


Hygiene (Lit. 5)

Es gibt bei fast allen Haustierarten Infektionskrankheiten und Parasiten, die sich auch negativ auf den Menschen auswirken (Flöhe, Bandwürmer, Spulwürmer, Ornithosen, Papageienkrankheit, Toxoplasmose usw.). Auch bei noch so reinlicher Haltung und wiederholten Kuren gegen Parasiten treten diese bei Haustieren immer wieder auf. (Z. B. infizieren sich Katzen durch gefangene Mäuse mit Würmern und verteilen bei der Fellpflege die Wurmeier auf ihrem Fell.) Deshalb ist es unbedingt notwendig, gegenüber Tieren bestimmte Vorsichtsregeln zu beachten:
1. Zu enger Kontakt sollte vermieden werden (z. B. Küsschen u. ä.)
2. Nach jedem Anfassen des Tieres: Hände waschen!
Merke: gegen Parasiten kann man sich nicht impfen lassen! 

Besonders wichtig sind diese Regeln, wenn Kinder mit Haustieren zusammenleben. Da bei kleinen Kindern die Einsicht fehlt, müssen sie regelrecht dressiert werden. Andernfalls sollte man auf Haustiere verzichten, solange die Kinder noch klein sind.
 


Mausartige Säugetiere

Besonders im Herbst bemerkt man häufig, dass sich in Kellern oder im Dach Untermieter eingenistet haben, die durch Geräusche oder angefressene Vorräte auffallen. In den meisten Fällen handelt es sich um Waldmäuse (Bild), die sehr gut klettern können und daher auch gut in Häuser hineinkommen. Sie gehören zu den echten Mäusen und zeichnen sich durch einen langen Schwanz und große Augen und Ohren aus. Im Gegensatz zu den Wühlmäusen ist die Schnauze eher spitz. Man sieht sie manchmal auch abends in Vogelfutterstellen. Hausmäuse lassen sich sehr einfach fangen, sie gehen in Lebendfallen ohne Köder, wenn man diese an der Wand aufstellt. Hat man eine Maus gefangen, fängt man meist in der nächsten Nacht  noch eine, da Waldmäuse so gut wie nie allein leben. Hausmäuse sehen den Waldmäusen auf den ersten Blick ähnlich, lassen sich aber nur sehr schwer fangen. Bestimmen kann man sie an dem "muffigen Geruch", den sie einem Zimmer verleihen.
In Dächern, meist von Garten- oder Wochenendhäusern, nisten sich im Winter manchmal Bilche ein (z. B. Siebenschläfer). Sie verursachen nachts Geräusche.


Foto: Freilandaufnahme vom Verfasser
Besonders in der Nähe von langsam fließenden Gewässern kommen immer wieder Wanderratten vor. Wanderratten gehören zu den echten Mäusen und sind daher mit einem langen Schwanz und großen Ohren ausgestattet. Durch ihre Größe sind sie kaum mit anderen heimischen Nagern zu verwechseln, da die Hausratte (auch Dachratte, weil sie im Dachraum lebt) fast ausgestorben ist.
Wanderratten  freuen sich über Speisereste auf Komposthaufen. Wie der Name schon sagt, bleiben Wanderratten nicht lange an einem Platz. Deshalb ist es auch, besonders in der Nähe von Flüssen, sinnlos, sie zu vergiften. Schon wenige Tage später sind die nächsten Ratten da. Ein Hausrezept gibt es für Besitzer von Hauskaninchen: Hält man mit den Kaninchen ein Meerschweinchen, dann werden Ratten ferngehalten, da sie wahrscheinlich die Lautäußerungen der Meerschweinchen nicht mögen. Zur Haltung von Meerschweinchen: s. o. Meerschweinchen können mit Kaninchen in demselben Stall gehalten werden, sie haben dieselben Nahrungsansprüche. Man sollte allerdings die Kaninchen im Jugendalter zu dem Meerschweinchen setzen, damit sie sich gewöhnen. Das Meerschweinchen akzeptiert auch neue Kaninchen, wenn es einmal mit welchen zusammen war.


Literatur:

1. Carter, D. J. & B. Hargreaves (1987): Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. Parey, Hamburg,
    Berlin.
2. Chinery, M.(1976 od. später): Insekten Mitteleuropas. Parey, Hamburg, Berlin.
3. Harde, K. W. & F. Severa (1984): Der Kosmos-Käferführer. Kosmos-Franckh, Stuttgart.
4. Jones, Dick: Der Kosmos-Spinnenführer. Kosmos-Franckh, Stuttgart
5. Matthes, D. & C. Matthes (1974): Plagegeister des Menschen. Kosmos-Franckh, Stuttgart.
6. Weber, H. (1966): Grundriss der Insektenkunde. G. Fischer, Stuttgart.
7. Weidner, H. (1982): Bestimmungstabellen der Vorratsschädlinge und des Hausungeziefers Mitteleuropas. G. Fischer,
    Stuttgart.
8. Zahradnik, J. (1985):Bienen, Wespen, Ameisen. Die Hautflügler Europas. Kosmos-Franckh, Stuttgart.



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